Landwirtschaft für Morgen – Elbmarschenhaus

Mehr ist nötig als nur regionale Produkte zu bevorzugen. Gedanken von der Ausstellung Elbmarschenhaus Haseldorf „Landwirtschaft für Morgen“

Landwirtschaft für Morgen – Elbmarschenhaus

Elbmarschenhaus und NABU eröffnen Ausstellung

Am 6. März eröffnen Uwe Helbing und Edelgard Heim (Stationsleitung Integrierte Station Unterelbe) im Elbmarschenhaus die NABU-Ausstellung „Landwirtschaft für Morgen“.

Die Ausstellung bleibt bis Ostermontag bestehen. Sie ist in den bekannten Besuchszeiten des Elbmarschenhauses von Mittwoch bis Sonntag geöffnet.

Uwe Helbung und Edelgard Heim beim Pressefoto.

Eröffnungsworte: von der EU und den Elbmarschen

Edelgard Heim, Elbmarschenhaus

Edelgard Heim beginnt die Eröfnnung mit der EU.Politik. Die Abgeordnete Delara Burkhardt besuchte vor kurzem das Elbmarschenhaus. Die Agrarpolitik in Deutschland ist eingebettet in die Politik der Europäischen Union. Die EU-Agrarpolitik bietet stabile Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft aller EU-Länder. Das hat Konsequenzen. Wenn beispielsweise in Deutschland über Reformen gesprochen wird, die das Augenmerk stärker auf die Stabilität und Nachhaltigkeit des Naturhaushalts richten soll, so treffen solche Gedanken auf den heftigen Widerstand anderer EU-Länder. Die dortigen Strukturen in der Landwirtschaft wurden teilweise erst in den vergangenen Jahrzehnten geschaffen. Und das gerade deswegen, um sich an die Wirtschaftsweise der EU anzupassen. Da will man nicht sogleich wieder die Richtung wechseln. Möglicherweise sind in diesen Ländern die Auswirkung der frisch eingeführten Strukturen auf die Landschaft und das Leben auch noch weniger sichtbar als bei den alten EU-Ländern. Die in der Ausstellung angesprochenen Probleme sind in diesen Ländern auch (noch) nicht so im Bewusstsein der Akteure wie in Deutschland.

Ein Drittel der auf dem Feld gewachsenen Lebensmittel wird weggeworfen. Das liegt nicht nur an „Mindesthaltbarkeitsdatum“, sondern auch an weiteren Regelungen und Konsumentenentscheidungen. Äpfel müssen makellos glänzen, Tomaten eine genaue Dicke haben, Kartoffeln müssen wohlgeformt sein.

Wir alle können etwas machen. Die Schlagworte dazu sind bekannt. Regional und Saisonal kaufen, langlebige Produkte wählen, einen wilden Anteil im eigenen Garten zulassen.

Gar nichts zu versuchen ist aber auch keine Alternative, das betont Frau Hein mehrfach.

Uwe Helbing, NABU Gebietsbetreuer

Den zweiten Teil der Eröffnung gestaltet Uwe Helbig, NABU Schutzgebietsbetreuer der Haseldorfer Binnenelbe mit Sitz im Elbmarschenhaus.

Der Kiebitz und die Uferschnepfe sind (fast) aus den Haseldorfer Elbmarschen verschwunden. Die Lerche singt nur noch an wenigen Stellen. Die heutigen Methoden der Feldbewirtschaftung und die Regulierung des Wasserstandes in der Landschaft – also die Trockenlegung – vertragen sich nicht mit der Lebensweise der Wiesenvögel. Mit einem heftigen Slogan ausgedrückt: Intensivierung vernichtet Leben. Auf einer stark gedüngten Wiese wachsen Gräser dicht an dicht, es bleibt kein Raum für Blüten.

Das Wort Schuld würde in eine Sackgasse führen. Das Agrarsystem ist aktuell so, dass wirtschaftlich „vernünftiges“ Verhalten zu einer Intensivierung führt, die dann keinen Raum für die Wiesenvögel, aber auch keinen Raum für Insekten oder Hasen lässt. Es ist ein dickes Brett, das nach Meinung des NABU gebort werden muss. Dieses Brett ist zusammengefügt aus den Entscheidungen der Verbraucher mit ihren Gewohnheiten, der ökonomisch sinnvollen Handlungsweise der großen Handelsketten, die Preise für den Erzeuger diktieren, und dem Landwirt, der auch unter diesen Bedingungen sein Einkommen erzielen muss.

Die Arbeit des Landwirtes verdiene den Respekt des Verbrauchers, so führt Uwe Helbing weiter aus. Es ist nicht diese Arbeit, die Fehlentwicklungen verursacht, sondern das System. Es ist die Kette der miteinander verwobenen Entscheidungen im Gemisch mit den Regulierungen und Normen aus der nationalen, europäischen und internationalen Politik.

Es ist mehr nötig als nur regionale Produkte

  • Kaufe im Bio-Laden!
  • Kaufe regionale Produkte!
  • Kaufe saisonale Produkte!
  • Lasse keine Lebensmittel umkommen!

Alle Anwesenden haben diese Ratschläge vielfach gehört. Vielleicht haben sich einige in dieser Vorosterzeit, dieser Passionszeit, sogar für Klimafasten entschieden. Solche Entscheidungen auf der privaten Ebene sind gut und sinnvoll. Ein derartiges private Handeln muss allerdings mit der Einflussnahme auf die Politik kombiniert werden.

Da die Tiere der Agrarlandschaft keine menschliche Stimme haben, fordert der NABU auf, dass die Bevölkerung für die Tiere die Stimme erhebt. Änlich dem Slogan der Fridays for Future Bewegung – Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut. – sollen Menschen für Rebhuhn und Feldhase laut werden.


Tiere der Kulturlandschaft / der Agrarlandschaft brauchen die Stimme der Menschen, so der Slogan der NABU-Aktion.

Die geladenen Gäste der Eröffung wurden reichlich bewirtet. Apfelsaft aus der regionalen Mosterei, Äpfel vom Obsthof im Dorf, Brot aus dem nahen Bioladen. Die Brotaufstriche wurden ohne tropische Früchte erstellt.

Wer genau hinschaut: das Formular um den Newsletter vom Elbmarschenhaus zu bestellen, gleich neben dem Dreimonatsprogramm des Regionalparks Wedeler Au und des Elbmarschenhaus.

Gedanken anwesender Landwirte

Unter den Gästen der Eröffung „Landwirtschaft für Morgen“ waren auch Männer, die aktuell in der Landwirtschaft tätig sind. Positiv wird bewertet, dass es hier nicht um Schlagabtausch geht, nicht um Bauern-Bashing. Bereits bei der Konzeption der Ausstellung war eine Podiumsdiskussion vorgesehen.

Landwirte würden nachhaltig denken. Der Hof soll an die nächste Generation weitergegeben werden. Dafür ist es wichtig, dass der Boden dauerhaft fruchtbar bleibt. Dieses langfristige und dauerhafte Ziel muss sich allerdings der Heraufforderung stellen, jedes einzelne Geschäftsjahr wirtschaflich zu überleben. Der Redner betont, dass aus der Politik nur erfüllbare Forderungen kommen sollten. Auf die Schnelle formulierte Regelungen, die jedes Jahr in eine andere Richtung angepasst werden, sind einfach nur störend und führen zur Verbitterung.

Der NABU nennt auf dem ausgestellten Poster 114 Euro Subvention pro Jahr und Hektar. Darauf eingehend stellt ein weiterer Redner diesen Betrag in historischen Zusammenhang. Die sogenannte Flächensubvention wurde vor einigen Jahrzehnten als Ausgleich dafür erschaffen, dass Zölle auf Agrarprodukte in der EU weggefallen sind. Diese Öffnung auf den Weltmarkt musste abgefedert werden, denn sonst wäre eine lokale Landwirtschaft überhaupt nicht mehr möglich.

Eine Diskussion über den „wahren Preis“ der Agrarprodukte war lebhaft. Es bleibt offen, wie die Schäden an der Umwelt im Preis eingerechnet werden können. Gutachten und Gegengutachten würden sich auf Jahrzehnte hinaus gegenseitig lähmen, so der Kreisnaturschutzbeauftragte Rainer Naujox in dem Gespräch. Ein Landwirtschaftsprofi trägt bei, dass die Landwirte lieber ohne Subventionen wirtschaften würden. Die Steuerung der Produktion solle dem Markt überlassen werden. Allerdings, wenn in Deutschland die weltweit höchsten Auflagen aus Gesundheitsgründen, aus Gründen des Tierwohls oder der der Umwelt gelten, dann ist eine direkte Konkurrenz zum Weltmarkt nicht möglich.

Das Beispiel der Auverginen wurde genannt: Früchte, die vor Ort beim Wachstum sehr viel Wasser brauchen. Die dafür nötigen Brunnen würden in den Auverginenländern das Wasser für andere Früchte wegnehmen. Hunger und Trockenheit für die lokale Bevölkerung, aber Auverginen für Europa. Herr Helbing ergänzt: genau deshalb gibt es beim Buffet auch keine Auverginencreme als Brotaufstrich. (Siehe Foto auf dieser Seite oben)

Podiumsdiskussion in Haselau geplant

Eine öffentliche Podiumsdiskussion gehört zum Konzept der Ausstellung. Termin: Dienstag, den 10.03. um 18.00 Uhr im Haselauer Landhaus, Dorfstraße 10, 25489 Haselau

Bisher haben Ingo Ludwichowski, Geschäftsführer NABU Schleswig-Holstein, Herrn Georg Kleinwort, Kreisbauernverband Pinneberg und weitere Landwirte aus der Region zugesagt.

Edelgard Heim, Moderatorin des Abend, betont die Wichtigkeit, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. „Natürlich haben wir nur sehr geringen Einfluss auf die Agrarpolitik der EU, aber wir alle können im Kleinen mit wichtigen, ersten Schritten etwas bewirken.“

Weiter formuliert Frau Heim: Ausdrücklich wollen wir hier keinen weiteren Schlagabtausch, sondern gemeinsam nach Lösungen suchen. Landwirte aus der Region werden ihren Ansatz, ihr Projekt für eine Landwirtschaft für morgen vorstellen. Dazu gehört auch, dass die Landwirte uns Verbraucherinnen und Verbrauchern sagen, was sie sich von uns wünschen. Denn wir sind alle gefordert!

Frage zum Schluss

Nimmt einer der Leser an dem Diskussion in Haselau teil? Dann mag er hier über den Verlauf berichten.

Mehr zur Ausstellung „Landwirtschaft für Morgen“ unter diesem Link www.erutario.de

Autor: Hans Rutar

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